“Lass mich da raus!”: Lennox’ verzweifelter Schrei an seine Mutter Peggy.
und lässt dich verprügeln. Diesmal nicht.
Es ist einer dieser Momente, in denen die Vergangenheit mit voller Wucht zurückkehrt – und mit ihr all die unausgesprochenen Schmerzen, die sich über Jahre angestaut haben.
Lenox, der sich im Training mit eiserner Disziplin ablenkt, wirkt nach außen hin stark, kontrolliert, fast unnahbar. Hanna, seine Trainerin und enge Vertraute, erkennt sofort, dass unter der Oberfläche mehr brodelt, als er zugibt. Sie lobt ihn für seine Fortschritte, für die Energie, die er in jedes Training steckt, und für den Willen, der ihn scheinbar antreibt. Doch kaum fällt der Name seiner Mutter Peggy, verfinstert sich Lenox’ Gesicht. Ein Schatten legt sich über seine Augen, und plötzlich ist da keine Anspannung aus körperlicher Anstrengung mehr – sondern reine, ungebremste Wut.
Hanna merkt, dass sie einen wunden Punkt getroffen hat. Sie versucht behutsam, das Gespräch zu drehen, doch Lenox blockt ab. Seine Muskeln spannen sich, die Luft scheint zu flimmern zwischen ihnen. Für ihn ist Peggy ein abgeschlossenes Kapitel – eines, das er nicht mehr aufschlagen will. Er will trainieren, kämpfen, sich beweisen – aber vor allem will er vergessen.
Zur gleichen Zeit steht Peggy an einem ganz anderen Punkt ihres Lebens. Nach all den Rückschlägen, nach Scham, Schulden und zerbrochenen Beziehungen hat sie endlich einen neuen Job gefunden. Es ist keine Traumstelle, aber es ist ein Anfang. Ein zarter Hoffnungsschimmer, dass sie ihr Leben vielleicht doch noch in den Griff bekommen kann. Sie arbeitet konzentriert, bemüht, alles richtig zu machen, als plötzlich die Tür aufgeht – und Olaf vor ihr steht.

Olaf, ihr Ex, ist die Verkörperung all dessen, was sie hinter sich lassen wollte. Sein Auftauchen trifft sie wie ein Schlag. Zuerst wirkt er freundlich, fast charmant, als wäre er gekommen, um sich zu entschuldigen oder etwas wieder gutzumachen. Doch schon nach wenigen Sätzen kippt die Stimmung. Seine angebliche Liebeserklärung, sein Gerede von „zweiter Chance“ und „immer noch etwas fühlen“ – all das entpuppt sich schnell als Fassade. Hinter seinen Worten lauert Druck, Besitzanspruch und schließlich eine bedrohliche Forderung. Peggy spürt, wie ihr die Kehle zuschnürt. Sie versucht, sich zu wehren, ihm klarzumachen, dass sie keinen Kontakt mehr will. Doch Olaf wird lauter, aggressiver. Als er schließlich geht, lässt er eine zutiefst erschütterte Peggy zurück – verängstigt, aber auch voller Scham darüber, dass sie wieder in eine Situation geraten ist, die sie eigentlich überwunden glaubte.
Später sucht Peggy Trost bei Hanna. Sie erzählt ihr vorsichtig, dass sie glaubt, diesmal endlich stark genug zu sein, um ihr Leben zu verändern. Hanna, die in Peggys Kampf etwas Aufrichtiges sieht, glaubt ihr. Mit ehrlichem Lächeln erzählt sie Lenox, dass seine Mutter sich bemüht, dass sie auf einem guten Weg sei. Für einen kurzen Moment glimmt in Lenox ein Funken Hoffnung auf. Vielleicht – nur vielleicht – ist seine Mutter ja doch nicht verloren.
Doch dieser Funken erlischt schneller, als er aufgeflammt ist. Als Lenox Olaf in der Ferne sieht, erstarrt er. Es ist nur ein flüchtiger Blick – aber er genügt. Für ihn steht fest: Peggy hat wieder Kontakt zu dem Mann, der sie und ihn in der Vergangenheit so sehr verletzt hat. Die Enttäuschung trifft ihn wie ein Schlag. Alles, was er geglaubt hatte – die Hoffnung, die Hanna ihm gemacht hatte – bricht in sich zusammen. In seinem Kopf hallen die alten Erinnerungen wider: Streit, Gewalt, Erniedrigung. Er fühlt sich verraten – nicht nur von Peggy, sondern auch von sich selbst, weil er kurz daran geglaubt hat, dass sich etwas ändern könnte.
Wenig später stellt Hanna Peggy zur Rede. Sie konfrontiert sie mit der Tatsache, dass Lenox Olaf gesehen hat und nun glaubt, sie habe ihn wieder in ihr Leben gelassen. Peggy versucht, zu erklären, dass Olaf sie überrascht hat, dass sie keine Kontrolle über die Situation hatte. Doch Hannas Gesicht verrät, dass sie selbst Zweifel hat. Und als Peggy begreift, dass Lenox alles mitbekommen hat, bricht sie innerlich zusammen. Ihr Sohn, für den sie sich endlich ändern wollte, hat sie in dem denkbar schlimmsten Moment gesehen.
In einem letzten Versuch, alles geradezubiegen, sucht Peggy Lenox im Fitnessstudio auf. Sie findet ihn mitten im Training, schweigend, konzentriert, als wolle er den Schmerz aus sich herausboxen. Vorsichtig nähert sie sich, bittet ihn, ihr zuzuhören. Doch Lenox reagiert nicht. Als sie erneut spricht, bricht es aus ihm heraus – all die aufgestaute Wut, die Enttäuschung, die Ohnmacht. Seine Stimme überschlägt sich, als er ihr entgegenschreit, dass er genug hat. Dass er sich nie wieder belügen lassen will. Dass er es satt ist, immer derjenige zu sein, der hofft, während sie alles zerstört. Sein Schrei hallt durch den Raum, roh, ehrlich und schmerzhaft – ein Schrei, der Peggy mitten ins Herz trifft. Sie steht da, sprachlos, hilflos, unfähig, etwas zu sagen.
Als Lenox den Raum verlässt, bleibt sie zurück – ein Bild reiner Verzweiflung. Zum ersten Mal scheint sie zu begreifen, dass es nicht mehr nur um Vergebung geht, sondern um Vertrauen, das endgültig verloren ist.
Zurück zu Hause sitzt Lenox in der Stille seines Zimmers. Die Geräusche aus dem Flur – das gedämpfte Stimmengewirr von Daniela, Henning und Hanna – dringen kaum zu ihm durch. Sie sind besorgt, wollen ihm helfen, verstehen, was passiert ist. Doch er ist nicht bereit zu reden. Immer wieder wiederholt er dieselben Worte: dass er mit seiner Mutter nichts mehr zu tun haben will. Dass es besser ist, wenn sie einfach aus seinem Leben verschwindet.

Sein Blick ist leer, während er das sagt, doch unter der Oberfläche tobt ein Sturm. Er liebt Peggy – trotz allem –, und genau das macht es so unerträglich. Der Gedanke, dass sie wieder mit Olaf gesprochen hat, zerstört ihn. Für ihn ist das der Beweis, dass sie nie wirklich loskommen wird – weder von Olaf noch von den Fehlern der Vergangenheit.
Während er sich in sein Zimmer flüchtet und die Tür hinter sich schließt, bleibt Hanna mit den anderen ratlos zurück. Sie wissen, dass sie ihn nicht drängen dürfen, doch die Sorge steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Daniela will zu ihm gehen, Henning hält sie zurück. „Er braucht Zeit“, sagt er leise. Aber in Hannas Augen liegt etwas anderes: die Angst, dass Lenox sich diesmal wirklich von allem abschneidet – von seiner Mutter, von seinem Team, vielleicht sogar von sich selbst.
Peggy hingegen sitzt zur selben Zeit allein in ihrer kleinen Wohnung. Die Begegnung mit Olaf, der Streit mit Lenox, Hannas enttäuschter Blick – all das rauscht ihr durch den Kopf. Tränen laufen über ihr Gesicht, doch sie wischt sie nicht weg. Sie weiß, dass Worte jetzt nichts mehr ändern können. Zum ersten Mal erkennt sie, dass sie den Punkt erreicht hat, an dem sie alles verlieren könnte – selbst die letzte Verbindung zu ihrem Sohn.
Und während draußen die Nacht über die Stadt zieht, stehen Mutter und Sohn an entgegengesetzten Enden desselben Abgrunds – beide verletzt, beide gefangen zwischen Schuld und Sehnsucht, beide unfähig, den ersten Schritt zu tun.
Was bleibt, ist ein Schweigen, das lauter ist als jeder Schrei.